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Alles rund um den Erbschein


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[b Der Erbschein[/b

[b Erbschein: Was ist das und welche Funktion hat er?[/b

Erben benötigen nach dem Tod eines Angehörigen häufig eine Bestätigung für ihre Stellung als Erben. Das Testament kann diesen Nachweis liefern. Ein Testament ist aber nicht immer vorhanden oder es reicht nicht aus, dann muss von den Erben ein Erbschein beantragt werden. Das Nachlassgericht stellt diesen aus, allerdings nicht automatisch, sondern nur auf Antrag.

Der Erbschein ist vor allem dann von wesentlicher Bedeutung, wenn der Verstorbene kein Testament oder eine andere Verfügung erstellt hat. Dann ist der Erbschein im Geschäftsverkehr zur Legitimierung notwendig. Darunter fällt in der Regel die Auflösung von Sparkonten bei Banken und, wenn vorhanden, die Umschreibung von Grundstücken oder Eigentum auf den Erben oder die Erben.

[b Wie wird ein Erbschein beantragt?[/b

Zuständig für die Ausstellung des Erbscheins ist das Nachlassgericht, in dessen Bezirk der letzte Aufenthalt oder Wohnsitz des Erblassers war. (Ausnahme Baden-Württemberg: Hier ist das staatliche Notariat dafür zuständig.) Das Nachlassgericht ist eine Abteilung des Amtsgerichts.

Der Erbschein kann vom Erbe, den Erben, Nachlassverwalter, Testamentsvollstrecker aber auch Gläubiger des Verstorbenen oder des Erben beantragt werden.

Bei der schriftlichen Beantragung eines Erbscheins müssen zahlreiche Informationen angegeben und Unterlagen abgegeben werden. Folgende Angaben sind notwendig:

• Todeszeitpunkt des Erblassers

• Verwandtschaftsgrad zum Erblasser

• Wenn vorhanden, ist das Testament oder der Erbvertrag, auf den man sein Erbrecht gründet, im Original vorzulegen.

• Anschriften aller Miterben

• Information, ob über das Erbe ein Rechtsstreit anhängig ist.

Der Erbschein kann schriftlich beantragt werden und ist an keine bestimmte Frist gebunden. Ein gemeinschaftlicher Erbschein kann beantragt werden, wenn mehrere Erben vorhanden sind. Zur Ausstellung muss ein Termin beim Notar oder Amtsgericht vereinbart werden. Mitzubringen ist der Reisepass oder Personalausweis.

Alle Angaben müssen durch Urkunden oder andere geeignete Beweise wie zum Beispiel Sterbeurkunde, Geburtsurkunde, Heiratsurkunde belegt werden. Zur Bestätigung der Richtigkeit aller weiteren Angaben muss der Antragsteller mit dem Antrag für den Erbschein eine eidesstattliche Versicherung vorlegen. Diese kann entweder bei einem Notar oder bei Gericht abgegeben werden.

Achten Sie darauf, dass die vollständigen Unterlagen eingereicht werden. Müssen Dokumente oder Informationen noch nachgereicht werden, kann es etliche Wochen dauern, bis Sie den Erbschein erhalten. Sind alle Dokumente vorhanden, geht die Ausstellung des Erbscheins normalerweise rasch.

Sollte sich später herausstellen, dass ein Erbschein fälschlicherweise ausgestellt wurde, zieht das Nachlassgericht den Erbschein wieder ein. Gründe für den Einzug eines Erbscheins sind zum Beispiel:

• Ein rechtlich gültiges Testament taucht zu einem späteren Zeitpunkt auf und sieht eine andere Anordnung vor.

• Durch Miterben erfolgt eine Testamentsanfechtung.

• Es wird nachträglich mangelnde Testierfähigkeit vom Erblasser vermutet.

[b Notwendigkeit eines Erbscheins[/b

Versicherungen, Banken oder Grundbuchamt dürfen den Nachlass des Erblassers nur dann auf den oder die Erben umschreiben, wenn eine Legitimation als Rechtsnachfolger vorliegt. Dies muss jedoch nicht unbedingt ein Erbschein sein.

Liegt zum Beispiel dem Erben eine Kontovollmacht vor, die der Verstorbene zu seinen Lebzeiten ausgestellt hat, ist der Zugriff auf das Bankguthaben auch ohne Testament oder Erbschein möglich. Es ist außerdem möglich Geld ausbezahlt zu bekommen, wenn das Testament oder eine beglaubigte Kopie vorgelegt wird, aus der hervorgeht, dass Sie der Erbe sind. Dafür ist jedoch auch noch von der Testamentseröffnung das Protokoll des Amtsgerichts notwendig.

Wenn das Testament allerdings nicht eindeutig ist, wird von der Bank ein Erbschein verlangt. Der Erbschein ist häufig auch bei der Umschreibung eines Grundstücks notwendig – es sei denn, es liegt ein Erbvertrag oder ein notarielles Testament vor.

Da die Ausstellung eines Erbscheins mit Kosten verbunden ist, sollte geprüft werden, ob er notwendig ist. Denn je höher der vererbte Betrag ist, umso kostspieliger wird die Erteilung des Erbscheins.

[b Was kostet ein Erbschein?[/b

Mit der Ausstellung eines Erbscheins fallen Gebühren an, die sich an der Höhe des Erbes orientieren, und sind durch eine gesetzliche Kostenordnung festgelegt.

Bei Beträgen bis zu 1000 Euro werden Gebühren von 10 Euro erhoben.

Bei Beträgen bis zu 20 000 Euro werden Gebühren von 72 Euro erhoben.

Bei Beträgen bis zu 50 000 Euro werden Gebühren von 132 Euro erhoben.

Die weitere Staffelung kann der Kostenordnung (§§ 107, 32 KostO) entnommen werden.

Es ist günstiger, beim Amtsgericht den Erbschein zu beantragen. Denn der Notar erhebt zusätzlich zu der Gebühr noch 19 Prozent Mehrwertsteuer.

[b Wie können die Kosten für den Erbschein vermieden werden?[/b

Der Erblasser kann schon zu Lebzeiten dafür sorgen, dass seine Erben keinen Erbschein beantragen müssen. Amtsgericht, Grundbuchamt und alle Institute und Behörden erkennen normalerweise das notarielle Testament oder den Erbvertrag an. Der Erbe oder die Erben müssen nur das gerichtliche Protokoll von der Testamentseröffnung vorlegen. Die Kosten für die Erstellung eines notariellen Testaments ist meist erheblich günstiger, als die Anfertigung eines Erbscheins.

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